Insulintherapie

Insulintherapie In Deutschland sind viele Menschen auf Insulin angewiesen

Die Gabe von Insulin spielt im Rahmen der Behandlung von Diabetes mellitus eine wichtige Rolle. Schließlich kann Insulin den Blutzuckerspiegel hervorragend regulieren. Für Typ-1-Diabetiker gehört das Spritzen von Insulin in jedem Fall lebenslang dazu, bei Typ-2-Diabetes wird eine Insulintherapie in der Regel dann eingeleitet, wenn Maßnahmen wie Ernährungsumstellung, mehr Bewegung und orale Antidiabetika alleine keine zufriedenstellenden Ergebnisse gebracht haben.

Insulinarten (Herkunft)

Insulin ist nicht gleich Insulin. Es gibt verschiedene Insulinarten, die sich unter anderem im Hinblick auf Herkunft sowie Schnelligkeit des Wirkeintritts und Wirkdauer unterscheiden.

Tierisches Insulin und Humaninsulin

Tierschies Insulin wird aus der Bauchspeicheldrüse von Rindern und Schweinen gewonnen und war bis vor einigen Jahrzehnten die einzige Insulin-Option bei Diabetes. Heute kommt überwiegend menschliches Insulin (Humaninsulin) zum Einsatz, tierisches Insulin spielt eine untergeordnete Rolle.

Normalinsulin, Mischinsulin und mehr

Insuline unterscheiden sich nicht nur in Bezug auf ihre Herkunft, sondern auch hinsichtlich ihrer Zeit bis zum Wirkbeginn und Wirkmaximum sowie ihrer Wirkdauer.

Hier finden Sie gängige Insulinarten im Überblick:

Insulinart Zeit bis zum Wirkeintritt Zeit bis zum Wirkmaximum nach Injektion Dauer der Wirkung
Normalinsulin 15 – 30 Minuten 1-3 Stunden 4-8 Stunden
Rasch und kurz wirksames Insulin 5-15 Minuten 30-90 Minuten 3-5 Stunden
Verzögerungsinsulin 1-2 Stunden 4-6 Stunden 8-16 Stunden (teils bis 24 Stunden möglich)

Darüber hinaus ist die Gabe von Mischinsulin möglich, das eine spezielle Kombination aus schnell wirksamen Insulin und Verzögerungsinsulin enthält.

Je nachdem, welche Insulinart zum Einsatz kommt, gilt es spezielle Punkte bei der Behandlung zu beachten (z. B. sollte Normalinsulin 10-20 Minuten vor dem Essen gespritzt werden, während bei schnell wirksamem Insulin kein Spritz-Ess-Abstand eingehalten werden muss). Lassen Sie sich dazu umfassend von Ihrem behandelnden Arzt beraten.

Insulintherapie ist nicht gleich Insulintherapie

Wie häufig und wann Menschen mit Diabetes Insulin spritzen müssen, ist von vielfältigen Faktoren abhängig: Neben der Insulinart spielt unter anderem die Leistung der Bauchspeicheldrüse sowie der individuelle Tagesablauf eine Rolle. Hier gilt es, gemeinsam mit dem behandelnden Arzt ein optimal geeignetes Konzept für die Insulintherapie auszuwählen

Gängige Konzepte sind:

  • BOT: Basal unterstützte orale Therapie Ergänzung der Tabletten-Einnahme durch Verzögerungsinsulin (am Abend)
  • SIT: Supplementäre Insulintherapie Kombination aus kurz wirkendem Insulin (zu den Hauptmahlzeiten) und blutzuckersenkenden Tabletten (orale Antidiabetika – meist morgens und Abends)
  • CT: Konventionelle Insulintherapie Spritzen von Mischinsulin vor dem Frühstück und Abendessen, ggf. in Kombination mit Tabletten, ggf. zusätzliche Injektion zum Mittagessen
  • ICT: Intensivierte konventionelle Insulintherapie Kurzwirksames Insulin wird jeweils zu den Mahlzeiten gespritzt („Bolus-Insulin“). Die benötigte Dosis wird an den aktuellen Blutzuckerwert und die geplante Mahlzeit angepasst. Hier bieten Blutzuckermessgeräte mit integriertem Insulindosis-Rechner eine gute Unterstützung. Ergänzend zum Bolus-Insulin wird Verzögerungsinsulin verabreicht. Experten sprechen hier auch von der Basis-Bolus-Therapie.

Welche Art der Insulintherapie in Ihrem individuellen Fall in Frage kommt, kann nur Ihr behandelnder Arzt bestimmen. Lassen Sie sich ausführlich über die Details der jeweiligen Behandlungskonzepte beraten und finden Sie genau die Insulintherapie, die zu Ihnen und Ihrem Leben passt.

Gut zu wissen: Eine Insulinpumpe kann dann angezeigt sein, wenn die Blutzuckerwerte auch mit der intensivierten konventionellen Insulintherapie nicht reguliert werden können. Eine Pumpe in Form eines „Mini-Computers“ gibt dann 24 Stunden am Tag kleine Insulin-Mengen ab. Das Mahlzeiten-Insulin wird zusätzlich per Knopfdruck verabreicht.

Insulin spritzen – darauf kommt es an

Insulin gehört in Ihrem Alltag nun dazu. Eine echte Chance, um den Blutzuckerspiegel effektiv zu regulieren und so auch Langzeitfolgeschäden wie zum Beispiel Nieren- und Herzerkrankungen zu vermeiden!

Doch natürlich: Aller Anfang ist schwer und es gilt, sich ein wenig Know-How für die Insulintherapie anzueignen. Eine Schulung gibt hier die nötige Starthilfe!

Einige Tipps zum Spritzen von Insulin haben wir hier bereits vorab für Sie zusammengestellt:

  • Moderne Insulinpens machen heute das Spritzen nahezu schmerzfrei und besonders einfach
  • Insulin wird in das Unterhautfettgewebe injiziert – besonders geeignet ist der Bauch
  • Wechseln Sie die Injektionsstellen am Bauch immer wieder ein wenig ab (z. B. im Uhrzeigersinn) – so beugen Sie Verhärtungen vor
  • Die benötigte Insulindosis ist unter anderem von Ihrem aktuellen Blutzuckerwert, der geplanten Mahlzeit und z. B. sportlichen Aktivitäten abhängig. Ausgewählte moderne Blutzuckermessgeräte bieten spezielle Features wie z. B. einen Mahlzeiten-Insulinrechner und ersparen so kompliziertes Kopfrechnen
  • Insulin sollte im Kühlschrank gelagert werden
  • Insulin gehört auf Reisen ins Handgepäck – lassen Sie sich vom Arzt am besten eine Bescheinigung ausstellen. Vergessen Sie hier auch Ihr Blutzuckergerät und die Teststreifen nicht!

Speziell für Diabetiker, die häufig Insulin spritzen müssen, kann ein integrierter Mahlzeiten-Insulindosisrechner den Alltag erleichtern. Studien belegen, dass sich auf diese Weise der HbA1c-Wert bereits nach 3 Monaten nachhaltig verringern lässt. Auch die Angst vor Hypoglykämien oder Fehler bei der Berechnung der Insulindosierung lässt sich auf diese Weise nachweislich verringern.

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