Studie: Fleischverzehr & Diabetes-Risiko

Studie: Fleischverzehr & Diabetes-Risiko Viel rotes Fleisch – ein Risikofaktor für Diabetes?

Zahlreiche Beobachtungsstudien kommen zu dem Ergebnis, dass ein häufiger Verzehr von rotem Fleisch mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden ist. Über die genauen Zusammenhänge ist bisher nicht viel bekannt. Im Rahmen einer aktuellen Studie wurden nun mittels Blutanalysen verschiedene Biomarker identifiziert, die erste Rückschlüsse auf die konkreten Ursachen dieser Risikobeziehung erlauben.

Viel rotes Fleisch = hohes Diabetes-Risiko?

Rotes Fleisch – gemeint ist damit zum Beispiel das Fleisch von Rind, Lamm oder Schwein – steht seit Längerem im Verdacht, das Risiko für Typ-2-Diabetes zu erhöhen. So geht zum Beispiel aus den Daten der Potsdamer EPIC-Studie* hervor, dass ein Verzehr von 150 Gramm rotem Fleisch pro Tag mit einem um etwa 80 Prozent erhöhten Risiko für Diabetes einhergeht. Bisherige Hinweise stammen vorwiegend aus Beobachtungsstudien. Diese sind nicht dazu geeignet, ursächliche Zusammenhänge zu belegen. Welche Mechanismen der Risikobeziehung zwischen dem Fleischverzehr und dem Diabetes-Risiko zugrunde liegen könnten, ist bis heute noch nicht ausreichend erforscht. Neue Erkenntnisse dazu liefert jetzt eine aktuelle Studie am Deutschen Zentrum für Diabetes-Forschung (DZD) e. V.

Aktuelle Studie: Blutanalysen sprechen für einen Zusammenhang

Das interdisziplinäre Forscherteam untersuchte die Blutproben von 2.681 Teilnehmern der Potsdamer EPIC-Studie. Von diesen waren 688 im Verlauf der Studie an Typ-2-Diabetes erkrankt. Die Ernährungsgewohnheiten und speziell der Fleischverzehr der Studienteilnehmer wurden mittels Fragebögen erfasst.

Im Rahmen der Blutanalysen überprüften die Forscher 127 verschiedene Biomarker im Blut der Studienteilnehmer. Dabei wurde festgestellt, dass 21 davon in Beziehung mit dem Fleischverzehr standen. Bei sechs dieser Biomarker waren die Blutkonzentrationen mit einem erhöhten Diabetes-Risiko verbunden. So hatten zum Beispiel Studienteilnehmer mit einem hohen Ferritinspiegel (= „Depot-Eisen“, Maß für die Eisenspeicher im Körper) ein erhöhtes Diabetes-Risiko. Zum Hintergrund: Ein hoher Ferritinspiegel bedeutet, dass die Eisenspeicher voll sind. Bei einer Überversorgung mit Eisen scheinen die Körperzellen unter oxidativen Stress zu geraten – das heißt, dass sich vermehrt hochreaktive Moleküle bilden, die die Zellen schädigen. Heute geht man davon aus, dass oxidativer Stress bei der Entstehung verschiedener Erkrankungen eine Rolle spielt, so auch bei Typ-2-Diabetes.

Ein weiterer Biomarker, der den aktuellen Ergebnissen zufolge mit dem Diabetes-Risiko in Verbindung steht, ist der Eiweißbaustein Glyzin. Glyzin ist ein zentraler Bestandteil der körpereigenen Schutzsysteme gegen oxidativen Stress und Entzündungsreaktionen. In der aktuellen Studie waren niedrige Glyzin-Spiegel mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko assoziiert.

Laut der Autoren ist davon auszugehen, dass nicht eine einzelne Substanz, die im roten Fleisch enthalten ist, das Diabetes-Risiko beeinflusst, sondern dass ein gewohnheitsmäßig hoher Verzehr über verschiedene Wege die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes begünstigt.

Empfehlungen zum Fleischverzehr

Ernährungsexperten raten schon seit Längerem, den Fleischverzehr, speziell aber die Aufnahme von rotem Fleisch, zu reduzieren. So spricht sich die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) e. V. in ihren lebensmittelbezogenen Empfehlungen eindeutig für eine fleischärmere und auf pflanzlichen Lebensmitteln basierende Kost – also Getreide, Gemüse und Obst − aus. Für den Verzehr von Fleisch und Wurstwaren wird eine Beschränkung auf maximal 300 bis 600 Gramm pro Woche empfohlen. Gut zu wissen: Schon eine Portion Fleisch – zum Beispiel ein Schnitzel – wiegt etwa 120 bis 150 Gramm.

*European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition*

Quelle:
Wittenbecher et al.; Amino acids, lipid metabolites, and ferritin as potential mediators linking red meat consumption to type 2 diabetes1. AJCN. First published ahead of print May 6, 2015 as doi: 10.3945/ajcn.114.099150.
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